1990 - 1999
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Geschichte der CDU Bergen von 1990 - 1999

Das alles überstrahlende Ereignis dieses Jahrzehnts war für Deutschland natürlich die Wiedervereinigung. Hatten bereits die Feiern im Sommer 1990 zum Gewinn der Fußball Weltmeisterschaft 1990 Deutschland in einen Freudentaumel versetzt, so war die Freude und Begeisterung über die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 noch viel größer. Der umsichtigen Politik des Kabinetts Kohl war es zu verdanken, dass in den „2+4 Gesprächen“ die Einheit Deutschlands wieder erlangt wurde. Auch über Deutschland hinaus vollzogen sich einschneidende Veränderungen in Mittel- und Osteuropa. Überall brachen die ehemaligen kommunistischen Systeme des Ostblocks zusammen und in langwierigen demokratischen Prozessen näherte sich West- und Osteuropa einander an, um so die Grundlage für die Erweiterung der EU im folgenden Jahrzehnt zu schaffen.

Für weitere Schlagzeilen sorgten u. a. das Attentat auf Wolfgang Schäuble; der Zerfall Jugoslawiens und die damit verbundenen Jugoslawienkriege; der Golfkrieg nach dem Überfall des Iraks auf Kuwait; das Ende der Sowjetunion und der Vertrag von Maastricht als Grundlage der EU. Außerdem noch der Völkermord von Ruanda; das Ende der Apartheid in Südafrika mit der Wahl von Nelson Mandela zum Präsidenten Südafrikas; das Friedensabkommen von Oslo zwischen Israel und der PLO; das Massaker von Srebrenica; der Kosovo Krieg; die Privatisierungen der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Bundespost sowie die „Berliner Rede“ von Roman Herzog mit der „Ruck“ Forderung in Deutschland und natürlich der Tod von „Lady Di“.

Trotz aller Freude in Bergen um die deutsche Wiedervereinigung gab es Anfang des Jahrzehnts auch Sorgen, in wie weit sich die Truppenreduzierungen nach dem Ende des Kalten Krieges auf den Truppenübungsplatz auswirken würden. Die Sorgen um den Fortbestand des Truppenübungsplatzes in seiner bisher gekannten Form erwiesen sich durchaus als begründet. Die Auslastung blieb zwar gut, aber es gab eine wesentliche Änderung: Am 12. Januar 1993 überbrachte der niederländische Brigadegeneral Krijn Kraak im protestantischen Militärheim im Lager Hohne persönlich die Nachricht über den Abzug der Niederländer aus Bergen-Hohne. Die allgemeine Bestürzung über diese Nachricht war sehr groß. Denn obwohl die Niederländer mit einer Truppenreduzierung gerechnet hatten, kam diese Nachricht doch überraschend und drückte die Stimmung unter den Soldaten und Familienangehörigen, die sich in Bergen sehr wohl gefühlt hatten. Für die Stadt Bergen zeichnete sich als Folge ab, dass ab 1994 etwa 250 von den Niederländern angemietete Wohnungen geräumt werden würden und gut eine Viertelmillion DM – der Finanzausgleich für die niederländischen Streitkräfte und Familienangehörigen – im städtischen Haushalt nicht mehr zur Verfügung stehen würden.

1994 war es dann soweit, dass die Niederländer abzogen und im gleichen Jahr letztmalig die „Britisch – Deutsch – Niederländische Woche“ stattfand. In der Folgezeit blieben in Bezug auf die Niederländer viele Freundschaften und gute Erinnerungen zurück sowie ein weiteres Überbleibsel: Der „holländische Karneval“, der jedes Jahr unter großer Beteiligung der Bevölkerung für beste Stimmung und Unterhaltung in Bergen sorgt.

Erhalten blieben der Stadt Bergen dagegen die britischen Truppen. 1994 brachte Stadtdirektor Gonsior aus Herford von einer Informationsveranstaltung der britischen Rheinarmee die Nachricht mit, dass 2.400 Soldaten mit 4 Regimentern verbleiben würden. Das waren zwar 1.300 britische Soldaten weniger als 1990, aber trotz dieser Kürzung überwog dennoch bei allen Beteiligten die Freude über den Erhalt des Standortes. 1.080 Wohnungen wurden für zunächst weitere sieben Jahre von den Briten gemietet. Insgesamt waren in Bergen zu der Zeit rund 1.000 Arbeitsplätze vom Truppenübungsplatz Bergen-Hohne abhängig. 800 davon hatten unmittelbar mit den Stationierungskräften zu tun. Rund 40 Millionen DM im Jahr betrug der Umsatz, den örtliche Betriebe im Zusammenhang mit dem Platz erwirtschafteten.

In Anlehnung an die britische Tradition, die Stadtfreiheit zu verleihen, um das gegenseitige Vertrauen und die Freundschaft zwischen den Bürgern und Soldaten zum Ausdruck zu bringen, wurde den Briten 1995 das Ehrenrecht „Freedom of Bergen“ von der Stadt Bergen verliehen.

 

Besonders das Jahr 1993 war sehr aktiv für Bergen. Wie in der gesamten Bundesrepublik mussten sich auch die Bürger Bergens erst einmal umgewöhnen: Es gab eine neue Postleitzahl. Anstatt der bisherigen vierstelligen (3103) gab es von jetzt ab eine fünfstellige (29303) Postleitzahl. Es gab in diesem Jahr auch mehrere Gründe zu feiern: Zunächst konnte im April nach über vierjähriger Bauphase der Erweiterungsbau des Alten- und Pflegeheimes Bergen eingeweiht werden. Der über 10 Millionen DM teure Bau wies 77 Einzelzimmer und zwei Gästezimmer aus. Am 8. und 9. Mai stand dann bereits mit der Marktplatz-Einweihung die nächste Feierlichkeit auf dem Plan, bevor Ende August noch ein „Historischer Markt“ anlässlich des 80jährigen Bestehens des Heimatmuseums begangen wurde.

Unvergessen blieb natürlich auch der Besuch von „Lady Di“ am 29. Juli 1993 in Bergen-Hohne.

 

1995 gab es auf Initiative der Stadt Bergen das erste „Bergen-Treffen“. Acht Kommunen aus den verschiedensten Regionen Deutschlands nahmen daran teil: Bergen auf Rügen, Bergen an der Dumme, Bergen-Neuwiese, Bergen im Kreis Birkenfeld, Bergen-Losheim, Bergen-Enkheim, Bergen im Chiemgau und Bergen im Landkreis Celle. Der Zuspruch war so groß, dass seitdem alle zwei Jahre „Bergen-Treffen“ in anderen „Bergen“ durchgeführt werden.

 

Über das gesamte Jahr 1997 hingezogen, gab es die Jubiläumsfeiern für 800 Jahre Kirchspiel Bergen. Die vielfältigen Veranstaltungen der Stadt Bergen, samt ihren Vereinen, Verbänden und Organisationen waren der ersten bekannten urkundlichen Erwähnung des Kirchspiels Bergen im Jahre 1197 gewidmet.

Für ein verbessertes Sportangebot in Bergen war es wichtig, dass 1994 der Sportpark Bergen fertig gestellt wurde. Der kombinierte Sporthallenkomplex mit Turnhalle, drei Squashplätzen, zwei Tennishallenplätzen, einer Sauna und dem Gastronomiebereich kostete rund 5 Millionen DM und wurde hauptsächlich von der Stadt Bergen finanziert.

 

Zu den eher unerfreulichen Ereignissen dieses Jahrzehnts gehörte die Einsicht, dass der Betrieb des Freibades nicht länger finanzierbar war. Eine Sanierung des Freibades hätte rund 1,5 Millionen DM gekostet. Deshalb entschied man sich bei der Stadt Bergen den Freibadbetrieb ganz einzustellen und stattdessen das Hallenbad das gesamte Jahr über geöffnet zu lassen.

Abgerundet wurde das Jahrzehnt u. a. durch die Einweihung des neuen Standesamtes, die erstmalige Besetzung der Position einer Frauenbeauftragten in Bergen, der Wiedereröffnung des umgebauten Jugendtreffs Bergen (der bei dieser Gelegenheit in „Bergwerk“ umbenannt wurde) sowie der Übernahme der Patenschaft für das Marineboot „Bergen“.

So ganz war abgeschlossen war dieses Jahrzehnt damit aber immer noch nicht. Es gab nämlich noch eine neue Städtepartnerschaft mit Srem in Polen zu feiern. Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Bergen und der polnischen Kreisstadt Srem begannen, nachdem eine Delegation aus Bergen 1995 bei der Fahrt des Städte- und Gemeindebundes zu Gast in der Stadt Srem war, und danach am 17. Dezember 1995 eine Delegation aus Srem nach Bergen zu Besuch kam.

Nach einigen Jahren gegenseitiger Besuche unterzeichneten Bergens Bürgermeister Rainer Prokop und Bürgermeister Marek Basaj aus Srem am 8. Oktober 1999 die Partnerschaftsurkunden, um die Zusammenarbeit auf den Gebieten des Sports, der Kultur, des Handels und Gewerbes und des Schüleraustausches durch gegenseitige Besuche weiter zu fördern und auszubauen.

Die Einwohnerzahl Bergens lag zum Ende dieses Jahrtausends bei rund 14.100 Einwohnern, die mit viel Zuversicht in die Zukunft blickten und freudig das neue Jahrtausend mit all seinen Chancen, Perspektiven und auch Herausforderungen erwarteten.