1945 - 1949
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Geschichte der CDU Bergen von 1945 - 1949

Am 15. April 1945 endete für Bergen der 2. Weltkrieg und es begann die Nachkriegszeit. Einen Eindruck über diesen Tag vermitteln die Tagebucheintragungen vom 15. April 1945 aus der Chronik des Pfarrhauses Bergen, die wahrscheinlich von der Gemeinde-Helferin Ilse Koch geschrieben wurden:

15. April 1945: Misericordias Domini. Um 9 Uhr sind wenige Gemeindemitglieder zum Gottesdienste gekommen. Keiner traute sich, sein Haus auf längere Zeit zu verlassen.

Noch sieht man deutsche Soldaten mit Panzerfäusten umherlaufen. Während des Mittagessens erschüttern mächtige Detonationen das Pfarrhaus. Um 14 Uhr ist Anschreiben der Konfirmanden mit der dringenden Mahnung, auf dem schnellsten Weg nach Hause zu gehen. Um 15 Uhr 20 Minuten stehen die ersten feindlichen Panzer auf dem Friedensplatze, die aus Richtung Belsen kommen. Alsdann zeigen sich Panzer auf der Celler Straße aus Richtung Offen kommend. Drogerie Repke hat die weiße Fahne gehisst. Unaufhörlich fahren Panzer durch den Ort. Das dauert bis zur Dämmerung. Die Engländer durchsuchen die Häuser nach Waffen, auch nach Fotoapparaten. Das Pfarrhaus I bekommt zur Nacht 12 Mann Einquartierung. Es sind Mannschaften der durchziehenden Truppe. Das Klavier in Frau Pastors Stube erklingt. Elektrisches Licht Fehlanzeige! Bald darauf steht das Zimmer in Glanzbeleuchtung mit sämtlichen auffindbaren Kerzen. Die Engländer durchwühlen Privatsachen und entwenden Gegenstände für Füllhalter und wertvolle Holzkästchen.

Die folgenden Tage stellten besonders große Belastungen für die Bevölkerung Bergens dar. In Bergen mussten kurzfristig Häuser geräumt werden, um Quartier für französische und italienische Kriegsgefangene zu schaffen, die bis dahin im Kriegsgefangenenlager Wietzendorf untergebracht waren. Außerdem kam es in Bergen und Umgebung bis zum offiziellen Kriegsende am 8. Mai 1945immer wieder zu Übergriffen durch ehemalige Kriegsgefangene verschiedenster Nationen auf Teile der Zivilbevölkerung, so dass an ein normales Alltagsleben kaum zu denken war.

Verschärft wurde diese Stresssituation für die Bevölkerung auch dadurch, dass aus andere Teilen Deutschlands und von Nazi-Deutschland besetzen Gebieten einimmer größer werdender Flüchtlingsstrom nach Bergen kam, der natürlich auch Wohnraum und Verpflegung benötigte.

Die Verpflegungssituation stellte sich besonders kritisch dar, weil aufgrund der chaotischen Situation an eine landwirtschaftliche Bestellung der Äcker nicht zu denken war. Die Vorratsreserven sowie die Tierhaltung schrumpfte immer weiter, da diese einerseits von der britischen Militärregierung beschlagnahmt wurden, um u. a. das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen zu versorgen und es andererseits immer wieder zu Plünderungen der Bauernhöfe durch ehemalige Kriegsgefangene kam. Erst nach dem 8. Mai 1945 konnte im Rahmen der damaligen Verhältnisse wieder eingeschränkt den wichtigsten öffentlichen Aufgaben nachgegangen werden. Die Probleme mit der Landwirtschaft bestanden aber noch viele Wochen und Monate fort und führten durch die Mangelproduktion dazu, dass der Winter 1945/46 zu besonders großen Entbehrungen bei der Bevölkerung führte.

In den Jahren bis 1949 wurde Bergen wieder aufgebaut. Während des Krieges kam es zwar kaum zu Zerstörungen in Bergen durch direkte Kriegshandlungen, allerdings erforderte die veränderte politische Situation und besonders der Zustrom von Flüchtlingen eine grundlegende Neuorganisation der bestehenden Infrastruktur.

 

Bis 1949 erreichte es die Bevölkerung Bergens unter großem Einsatz das Schulwesen, das Vereinswesen sowie die gesamte Gemeindeinfrastruktur wieder in den Griff zu bekommen und auch die Integration der Neubürger voranzutreiben. Es wurden wieder Geschäfte gegründet und selbst das kulturelle Leben erwachte zu neuer Blüte.

Auch in Bergen machte sich die Währungsreform mit der Einführung der DM am 21. Juni 1948 positiv bemerkbar. Allein 1949 wurden in Bergen 38 Unternehmen neu gegründet, wobei 21 dieser Unternehmen von Flüchtlingen gegründet wurden.

Die Einwohnerzahl Bergens betrug 1949 rund 5.300 Einwohner, darunter rund 1.700 Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und 600 Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone.